Geschichte Kreisverband - AWO Sächsische Schweiz

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AWO mit Herz

Geschichte Kreisverband

100 Jahre AWO - Gespräch mit zwei Vorsitzenden
 
 
Kurze Frage: Warum seid ihr in der AWO aktiv und wie habt ihr begonnen?
 
Kettler: Da muss man 28 Jahre zurückgehen und es ist in einem Satz nicht zu erklären, probieren wir es mal mit ein paar Sätze mehr. Ich kann von mir sagen, es ist auch Verantwortungsbewusstsein das ich aktiv bin. Ich bin von den Mitgliedern in den Vorstand gewählt worden und habe mit der Annahme des Amtes auch die Verpflichtung zur möglichst ordentlichen Arbeit übernommen. Da ist nichts weiter dabei, aber wer das nicht machen will, sollte sich keiner Wahl stellen. Gilt auch in der Politik.  
Wie wir begonnen haben, ehrlich, so richtig wusste keiner von uns, auf was er sich einlässt. Als ich von Hans- Günter Renger angesprochen wurde, hatte er zusammen mit Regina Albani schon einiges vorbereitet, unter anderen eine Satzung und schon einige, die bereit waren mitzumachen gefunden.      

Albani: Es war eine Zeit turbulenter politischer Entwicklungen und ungewöhnlicher Handlungsweisen. Hans-Günter Renger hatte einige Genossen zu mir in den Garten gerufen, zum Winterlagerfeuer. An diesem Abend stand fest, wer die benötigten sieben Mitglieder sein werden, die den Verein der Arbeiterwohlfahrt gründen konnten.            Bis zur Gründungsversammlung am 18. Februar 1991 gab es viel zu tun. Neben der Erarbeitung einer Satzung und weiterer Papiere sowie der Herstellung des Kontaktes zum Notar galt es, weitere Begeisterte zu gewinnen. An diesem 18. jedenfalls gründeten wir am Tischerplatz in Pirna die Arbeiterwohlfahrt im Landkreis Pirna. Wir waren 16 Mitglieder und du warst mit dabei. Nachdem wir den Bescheid über die Vereinsgründung vom Gericht bekommen hatten, begannen wir zu arbeiten. Ich wurde Geschäftsführerin über ABM. Die ganze soziale Arbeit im Landkreis wurde über ABM finanziert. So begannen wir mit der Arbeit des Aufbaus unseres AWO Kreisverbandes.Da wir noch keine eigenen Räume hatten arbeiteten wir im SPD Büro und nach Übernahme des KOMM auf dem Sonnenstein. Ab Juli 1991 konnten wir eigene Räume mit Fördergeldern des Landratsamtes beziehen. Unsere ersten Übernahmen waren Sozialstationen, Kindergärten. Dann die Betreuung der Asylbewerberheime. Schnell erwarb sich die AWO bei den Bürgern und den Behörden das Vertrauen, gute soziale Arbeit leisten zu können.   

Kettler: Bevor die Organisation der Arbeit begann, mussten wir uns erstmal selbst organisieren, du Regina, warst unsere Vorsitzende. Mit der Aufnahme unserer Tätigkeit musste der Vorstand neu gewählt werden, als ehrenamtliche Vorsitzende war die Arbeit nicht zu schaffen. Aus der ehrenamtlichen Vorsitzenden wurde eine hauptamtliche Geschäftsführerin und ich war plötzlich Vorsitzender.          
Was bedeutet AWO für euch?     
Kettler: Wenn man einen Verein mitbegründet hat, der bald 30 Jahre alt ist, dann hat man, zumindest wenn man ihn aktiv mitgestaltet hat, eine besondere Beziehung. Am Anfang war es mehr eine Ahnung als Gewissheit, dass sich die AWO als ein starker Partner für sozial Schwächere, für die von der Gesellschaft weniger beachteten Gruppen - zum Beispiel ältere Menschen - entwickeln würde. Mehr als heute gingen wir noch von dem Grundgedanken aus, "freie Wohlfahrtspflege" bedeute auch die freie Wahl der Felder, auf denen sich der jeweilige Träger engagiert. So war es ursprünglich, als sich neben der staatlichen die freie Wohlfahrtspflege etablierte, gedacht. Doch die Geschichte unseres Kreisverbandes, wie die aller freier Träger nach der Wende, ist eine Geschichte finanzieller Abhängigkeiten und des Wettbewerbs, der zunehmend marktwirtschaftlich geprägt ist. Die Vision, dass die AWO schnell sehr viele Mitglieder gewinnen könne, die in ehrenamtlicher Arbeit und finanzieller Hilfe engagiert sind, habe ich schnell aufgegeben
Peter Kettler +2001
Regina Albani und Peter Kettler 10 Jahre AWO
Foto: Renger
Regina Albani 2011

Vorbereitung Markt der Kulturen
Oben: H.Hauswald, H. Bialluch, Peter Kettler (v.l.)
zum Markt der Kulturen, Pirna Foto: Albani

Unten: K.H. Petersen (LG)und Margit Weihnert (MdL)zumm
Sommerfest 2011 im Heidenau
Foto: Kettler
Landesverband Vorsitzende und GF bei 20 Jahre Kreisverband
Welcher Meilenstein in den Jahren lag euch in eurem Kreisverband ganz besonders am Herzen?
 
Albani: Mitte der 90er Jahre ging vom Landesverband die Initiative aus, Wirtschaftsunternehmen der freien Wohlfahrtspflege zu gründen. So entstanden gemeinnützige Gesellschaften, gGmbH` s. Darin sahen wir auch für die Einrichtungen unseres Kreisverbandes eine Chance. Der Gedanke, die Einrichtungen des Kreisverbandes zusammen mit Einrichtungen des Kreisverbandes Dresden in einer gGmbH zu bündeln und damit auch die Verwaltungskosten zu optimieren, nahm Gestalt an. Wir hatten auch eine Person, die Lust darauf und auch in der Lage war, das zu verwirklichen. Karlheinz Petersen war der Mann. Jahre zuvor hatte ich ihn als Geschäftsführer für unseren AWO-Kreisverband gewinnen können, ich wollte gern in die Schuldnerberatung. Auch wieder eine der hübschen Geschichten, die sich in den ersten zehn Jahren unseres Bestehens zugetragen haben: Ich kannte seine Mutter gut und traf ihn zusammen mit ihr zufällig in der Drogerie am Markt. Seine Mutter und ich unterhielten uns über meine Arbeit bei der AWO, er wurde neugierig - und bald unser Geschäftsführer. Das war im Februar 1993. Weit mehr als acht Stunden am Tag kümmerte er sich viele Jahre um alle wirtschaftlichen und organisatorischen Belange unseres Verbandes, aber auch um dessen Mitglieder. Karlheinz hatte also den nötigen "Stallgeruch", als es 1995 zur Gründung der Unternehmen kam. So wurde er Geschäftsführer (bis 2005, dann Landesgeschäftsführer) der AWO Kinder- und Jugendhilfe gGmbH, die ihren Sitz in Pirna und Zweigniederlassungen in Dresden und zeitweise Aue-Schwarzenberg hat bzw. hatte.
 
Kettler: Obwohl der Kreisverband damit sein wirtschaftliches Rückgrat verlor, war die Gründung der gGmbH`s die einzig vernünftige Entscheidung. Die inhaltliche Arbeit des Verbandes konnte sich jetzt verstärkt der Arbeit mit den Mitgliedern zuwenden. So kam es zur Gründung von Ortsgruppen der AWO, die es bis dahin nicht gab. Zugleich liegt es in unserer Verantwortung, als Gesellschafter der AWO Sachsen Soziale Dienste gGmbH, deren Geschäftsbetrieb zu kontrollieren. Was damals nicht so toll war: Die Schließung des Bürgertreffs „KOMM“. Mit der Schließung verloren wir mit einem Mal über 100 Mitglieder. Er war wirtschaftlich nicht mehr haltbar. Unser Kreisverband hatte ihn bis an die Schmerzgrenze subventioniert und er war kein wirklicher Bürgertreff, sondern ein Seniorentreff, von der Stadt Pirna als solcher nicht gewünscht.
 
Heute würden wir das wahrscheinlich anders anpacken können. Durch die Mitgliedsbeiträge der Gesellschaften und Spenden sind wir wirtschaftlich jetzt besser aufgestellt.   
 
Autor: Anja

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